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Die dunkle Jahreszeit

Es ist trübe. Es ist nasskalt. Die Tage fangen morgens spät an und enden abends sehr schnell und abrupt. 

Von Sonnenschein oft keine Spur. Nieselregen, Nebel, der erste Nachtfrost und der erste Schnee kündigen den Winter an. Wer nach 17.00h noch draußen unterwegs ist, um Tiere zu versorgen, mit dem Rad auf dem Heimweg ist oder noch mal mit dem Hund vor die Tür geht, ist unter Umständen mit einer Kopflampe gut ausgerüstet. Mit dem Tragen einer solchen Beleuchtung kommt man sich sicher am Anfang etwas komisch vor und man muss sich erst daran gewöhnen, aber „Safety first“, und das nicht nur bei Kindern.

Kurzum, die dunkle Jahreszeit bietet Zeit Dinge zu tun, für die in den Frühlings-, Sommer- und Spätsommermonaten nicht viel Zeit war. Man konnte lange draußen sein. Blumen gießen, Rasen mähen, einen Schwatz über den Gartenzaun mit dem Nachbarn, um sich über die neuesten Neuigkeiten auszutauschen oder einfach nur im Garten verweilen und seine Schönheit genießen. Alles Zeiten die jetzt entfallen. Die Gartenarbeit ist erledigt für dieses Jahr. Die Wildvögel zu füttern nimmt nur ein paar Minuten des Tages in Anspruch und der Nachbar zieht sich mit dem Dunkelwerden zurück in die eigenen vier Wände. Die Abende in dieser Jahreszeit sind lang. Den einen oder anderen treibt es in ein Fitnessstudio, in ein Hallenbad oder vielleicht zu einem Tanzkurs. Man wird sportlich aktiv, ganz nach dem Motto: „dem Winterspeck erst gar keine Chance geben“. Wieder andere ziehen sich ins warme Wohnzimmer zurück und spielen gemeinsam mit den Kindern ein Gesellschaftsspiel oder nehmen ein Buch zur Hand und lesen. Gemütlich wird es in dieser Zeit in den eigenen vier Wänden. Hier und da flackert eine Kerze, die erste dezente Weihnachtsbeleuchtung wird drapiert und arrangiert; erste vorweihnachtliche Stimmung hier und da.

Reize der dunklen Jahreszeit. Wenn die Landschaft mit einer Schneedecke bedeckt ist und man meint es sei bei Vollmond taghell. Wenn der Schnee unter den Schuhen knirscht oder der Schnee die Zweige der Bäume und Sträucher aussehen lässt als seien sie in Zuckerwatte gepackt. Das Sonnenlicht lässt kleine Eissternchen auf dem Raureif glitzern und die zugefrorenen Teiche und Seen laden zum Schlittschuhlaufen ein, wobei letzteres im Laufe der vergangenen Jahre immer seltener geworden ist. Wohl dem, der solche Erinnerungen an seine Kindheit hat. Mit zunehmender Erderwärmung werden solche Ereignisse seltener.

Mit Beginn der dunklen Jahreszeit kehrt Ruhe ein. Nicht nur in der Natur, auch bei manch einem selbst scheint die innere Uhr langsamer zu ticken als sonst. Viele Wildtiere senken ihren Körperstoffwechsel auf das Geringste herab, zehren von den angefressenen Fettpolstern und verschlafen die dunkle Jahreszeit. Wieder andere kommen nur zur Nahrungsaufnahme aus dem wärmenden Nest, Kobel oder Bau. Sie bedienen sich an den im Herbst angelegten Vorräten und sind anschließend wieder verschwunden. Schwerer haben es die, die keinen Winterschlaf machen und auch keine Wintervorräte anlegen. Da muss unter Umständen dann etwas nachgeholfen werden, wenn der Winter zu streng ist. Die Wildvögel werden gefüttert, das Wild bekommt Heu und nicht selten Zuckerrüben oder Kartoffeln gefüttert, nachdem dies von entsprechender Behörde genehmigt oder ganz offiziell erlaubt wurde. Nicht selten wird in solchen Notzeiten z. B. im Straßenverkehr verunglücktes Wild für die fleischfressenden Wildtiere auf speziellen Futterplätzen abgelegt.

Die dunkle Jahreszeit - ich wünsche Ihnen in dieser Zeit Zeit für Besinnung, Zeit zum Innehalten, Zeit zum Nachdenken. Nachzudenken darüber was man nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere tun kann um die dunkle und oft kalte Zeit des Jahres ein wenig heller und wärmer zu machen. Und wer weiß, vielleicht tun sich ja bei dem einen oder anderen ganz neue Perspektiven auf, die in die warme Zeit des Jahres mitgenommen und übertragen werden können.