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Akutes Eichensterben- Acute Oak Decline

Stolz und imposant steht sie da. Am Rand einer kleinen Lichtung. Grobe, dicke und mit vielen tiefen Furchen durchzogene Rinde legt sich schützend um den mächtigen Stamm, der die weit ausladende Krone mit Leichtigkeit zu tragen scheint.

Wie ein zusätzlicher grüner, schützender Mantel hat Moos die Rinde bewachsen. Seicht wiegt sich die mächtige Krone im Sommerwind. Ihr dichtes grünes Blätterdach rauscht dabei und es scheint als würden sie sich die Blätter taktvoll zur Musik des Windes hin und her bewegen. Die Rede ist von Eichen- botanisch Quercus. Die Eiche ist als Baum der Deutschen bekannt. Ihre Gattung enthält 400 bis 600 verschiedene Arten. Stieleiche, Traubeneiche, Roteiche und viele weitere gehören zu dieser Gattung. In unseren Breiten sind die Stieleiche und die Traubeneiche wohl die bekanntesten. Hat der Baum im jungen Alter einen optimalen Standort erhalten, ob nun durch Pflanzung oder Naturverjüngung, kann er hunderte von Jahre alt werden, zwischen 30 und 50m hoch und einen Stammdurchmesser von bis zu 4m erreichen. In der Vergangenheit wurden sie oft als Hofbaum gepflanzt. Sie prägt die Landschaft und die Wälder in unseren Breiten seit Jahrhunderten. Sie symbolisiert Stärke, Beständigkeit, Unsterblichkeit und Ausdauer. Unsterblichkeit und Ausdauer? Das sind die Stichwörter, denn langsam, ganz schleichend und für viele unbemerkt scheint den Eichen die Puste auszugehen. Auch bei uns, direkt vor der Haustür. Nicht, weil die Kettensägen ihnen das Leben auslöschen, das kommt später, wenn andere kleine Feinde im Verborgenen den Eichen in unseren Breiten zunehmend das Leben schwer gemacht haben und es aus ihnen gewichen ist. (Von waldbaulichen Belangen wird hier an dieser Stelle abgesehen).

Schaut man etwas genauer hin, kann man es bemerken. Kleine Anzeichen, ja fast schon Signale sendet sie. Ihr Laub wird fahl, ist nicht mehr kräftig grün, die Blätter werden dünner und fangen an auszulichten. Der Jahreszuwachs ist kurz. In manchen Fällen beschränkt sie sich nur noch auf die Blattbildung. Hinzu kommen die kleinen Nimmersatte. Kleine gefräßige Raupen, die den Eichen das erste frische Laub durch Fraß nehmen. Die Photosyntheseleistung wird durch den Fraß reduziert und der Baum „leidet Hunger“. Der im Juni wachsende Johannitrieb kann dieses Defizit nicht ausgleichen und ist nur in der Lage eine „Notfallversorgung“ durchzuführen. Für kleine Käfer, Bakterien und holzzerstörende Pilze sind die auf diese Art und Weise im Vorfeld geschwächten Eichen willkommene Opfer. Aber auch die häufiger werdenden Wetterextreme spielen eine Rolle.

Die Rede ist vom Acute Oak Decline- akutes Eichensterben, einer Komplexkrankheit. Es handelt sich also um eine Krankheit mit diversen Ursachen. Diese können, wie im Vorfeld beschrieben, zum Beispiel vorrausgegangene Stressfaktoren wie Hitze, Dürre, ungeeignete Standortausprägungen, Luftverschmutzung, Bakterien, Pilze und Insekten sein. Bei akutem Eichensterben kommen nun auch noch zwei Bakterienarten hinzu die den Eichen vermehrt zu schaffen machen. Oft spielt ein vorrausgegangener Befall durch den Zweipunkteichenprachtkäfer den Bakterien zu. Das haben Forscher nun herausgefunden. Den genauen Krankheitsverlauf zu beschreiben würde an dieser Stelle zu lange dauern. Tiefergehende Informationen dazu finden sich in der Waldschutzinfo Nr. 2024-4 der nordwestdeutschen forstlichen Versuchsanstalt- Abteilung Waldschutz-.

Ist die Eiche erstmal geschwächt folgt das Eine dem Anderen nach. Zuerst zeigt sich schütteres, helles und dünnes Laub. Die Wipfelspitzen verkahlen bis ganze Starkäste als Totholz im oberen Bereich der Krone zu erkennen sind. Zwar versucht der Baum mit Bildung von neuen Ästen dagegen zu steuern, hat aber nur wenig Chancen dem fortschreitenden Verfall etwas entgegen zu setzen. Der Mensch versucht Schadensbegrenzung durch Totholzentnahme und Schnitt zu betreiben, getreu dem Motto Rückschnitt fördert Zuwachs. Oftmals bleibt dies ohne sichtbaren Erfolg. Der Sterbeprozess kann sich über Jahre und Jahrzehnte hinziehen, bevor der Baum dann vollständig abgestorben als Mahnmal dasteht. In Naturschutzgebieten, in der freien Landschaft oder im Wald können solche Bäume als Habitatbäume auch mal belassen werden, wenn sie nicht stören und die Verkehrssicherheit nicht gefährden. Auf diese Art und Weise leisten sie für viele Insekten und Vögel einen wertvollen Beitrag zum Erhalt ihrer Art.

 Acute Oak Decline- ein Problem das uns noch lange beschäftigen wird.

Pressemitteilung der Naturkontaktstation

06.02.2026